
Eine Wasserburg der Grafen von Weimar, die 984 erstmals genannt wurde, gilt als Mittelpunkt der Weimarer Entstehungsgeschichte. Um 1250 wurde die Stadt von den Grafen von Weimar und Orlamünde aus drei vorhandenen Siedlungen gegründet, das älteste Stadtgebiet befand sich vermutlich um das heutige Schloß bis zum Herderplatz.
Eine weitere Siedlung als Vorstadt, "alte Stadt" genannt, entstand um die Jakobskirche. Auf deren Friedhof befinden sich die Grabstätten von Goethes Frau Christiane und Lucas Cranach sowie das Kassengewölbe, die erste Grabstätte Schillers. Den baulichen Mittelpunkt der von Palisaden und Gräben umschlossenen Stadt bildete die um 1245 erbaute Stadtkirche, die heutige Herderkirche. Um 1240 wurde in Oberweimar ein Zisterzienserinnenkloster gegründet.
Nach dem Schmalkaldischen Krieg war Weimar ununterbrochen bis 1918 Residenz ernestinischer Herzöge. Der Charakter der Residenzstadt prägte Weimars Geschichte nachhaltig. Sozialstruktur, Wirtschaft, Bauwesen und Kultur wurden durch die regierenden Fürsten und ihren Hofstaat beeinflußt. Von 1708 bis 1717 wirkte Johann Sebastian Bach in Weimar als Konzertmeister und Hoforganist.
Im 15. Jahrhundert entwickelte sich das städtische Gewerbe mit seinem Zunftwesen in Weimar, zahlreiche größere Bauten entstanden. Das Grüne Schloß von1565, heute Herzogin Anna Amalia Bibliothek, und das Rote Schloß von 1576 wurden für die herzogliche Familie gebaut. Der Wohlstand der Stadt zu dieser Zeit spiegelte sich auch in zahlreichen Renaissancebauten, wie dem Cranachhaus (1549) auf dem Marktplatz, der Hofapotheke (1564) und dem Stadthaus (1547).
Das Weimarer Residenzschloß wurde im 18. Jahrhundert nach seiner Zerstörung durch einen Brand wieder aufgebaut, auch Goethe war daran beteiligt. Das Schloß beherbergt heute in seinen Räumen kostbare Kunstsammlungen, u.a. Cranachgemälde, und ist Sitz der "Stiftung Weimarer Klassik".
Ende des 18. Jahrhunderts entstanden weitere bedeutende Gebäude wie das Wittumspalais als Witwensitz für Anna Amalia und das Fürstenhaus, heute "Hochschule für Musik Franz Liszt".
Auch die Parkanlage an der Ilm mit dem Römischen Haus und dem Tempelherrenhaus stammt aus dieser Zeit. Als die jung verwitwete Herzogin Anna Amalia an die Spitze des kleinen Staates gelangte, begann Weimars Blütezeit.
Als Prinzenerzieher bestimmte sie 1772 den Dichter und Philosophen Christoph Martin Wieland. 1775 kam Johann Wolfgang von Goethe aus Frankfurt nach Weimar und erhielt hier Staatsämter. Von 1782 bis zu seinem Tod lebte Goethe in dem Haus am Frauenplan, das 1885 als Nationalmuseum eingerichtet wurde. Goethe holte 1776 Johann Gottfried Herder in den Kreis der künstlerisch tätigen Geister in Weimar.
1791 gründete Friedrich Justin Bertuchs das Unternehmen "Landes – Industrie - Comptoir", in seinem Wohnhaus ist heute das Stadtmuseum untergebracht. Ebenfalls 1791 wurde das Hoftheater, dem Goethe bis 1817 vorstand, gegründet. Das mehrmals zerstörte und wieder aufgebaute Haus heißt seit 1919 "Deutsches Nationaltheater". Zwischen dem Theater und dem Bauhaus-Museum steht das Denkmal von Rietschel, das die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller symbolisiert und heute ein Wahrzeichen der Stadt ist.
1799 kam auch Friedrich Schiller nach Weimar. Er erwarb 1802 das Haus an der einstigen Esplanade, wo er bis 1805 lebte. In dem Wohnhaus, das mit zu den ältesten erhaltenen Ge-bäuden Weimars gehört, wurde das Schillermuseum eingerichtet. In der Fürstengruft auf dem historischen Friedhof fanden Goethe und Schiller neben den Mitgliedern der herzoglichen Familie ihre letzte Ruhestätte.
In einem großen Landschaftspark wurde 1724-1732 das Schloß Belvedere errichtet. Zu ihm gehören die Orangerie und Kavaliershäuser, heute ist es das Rokokomuseum. Im Schlosspark Tiefurt befindet sich das barocke Pächterhaus aus dem 16. Jahrhundert, das nach Umgestaltung der Sommersitz der Herzogin Anna Amalia war. In dem unter Anleitung von Fürst Pückler umgestalteten Landschaftspark in Ettersburg befindet sich ein barockes Jagdschloß.
Die Mitte des 19. Jahrhunderts war in Weimar vor allem von Franz Liszt geprägt. 1872 wurde die Weimarer Orchesterschule gegründet, der Ursprung der heutigen "Hochschule für Musik Franz Liszt". Aus der Herzoglichen Kunstschule entwickelte sich später die Hochschule für Architektur und Bauwesen, heute Bauhaus Universität.
1885 kam es zur Gründung von Goethe-Nationalmuseum und Goethe-Gesellschaft. Ein Zentrum für die deutsche Literaturforschung ist das Goethe- und-Schiller-Archiv, das über 600.000 Handschriften aus den vergangenen zwei Jahrhunderten aufbewahrt. An Friedrich Nietzsche, der seine letzten Lebensjahre in Weimar verbrachte, erinnert sein Wohnhaus mit Gedenkstätte.
Ein Jahr nach der Novemberrevolution 1918 tagte im Weimarer Theater die verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung, die zur Gründung der Weimarer Republik führte. Ein Jahr später wurde Weimar Hauptstadt des neu gegründeten Landes Thüringen.
Walter Gropius baute 1919 das "Staatliche Bauhaus" als Ausbildungsstätte neuen Typs auf, in der u.a. Wassili Kandinsky und Paul Klee tätig waren. 1925 zog das Bauhaus nach Dessau.
Die nächsten Jahrzehnte stellten ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte dar. 1937 errichteten die Nationalsozialisten auf dem Ettersberg das Konzentrationslager Buchenwald. Eine Gedenkstätte erinnert hier an die fürchterlichen Greueltaten in dem KZ, auch ein halbes Jahrhundert nach dem Krieg eine Mahnung für künftige Generationen.
Die Stadt Weimar hat sich heute dem humanen Zeitgeist der großen Dichter und Denker verschrieben. Im Jahre 1999, in dem Goethe seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, trägt sie sogar den ehrenvollen Titel "Kulturstadt Europas für das Jahr 1999".
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